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Anmeldedatum: 27.03.2007 Beiträge: 140
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Verfasst am: 07.06.2010, 12:22 Titel: Die Menge macht´s |
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Ein interessanter Text zum Tehma "Diebstahl während des Warentransports" aus der PROTECTOR 6/10 von Michael Hassenkamp.
Gewaltige acht bis achteinhalb Milliarden Euro verschwinden alljährlich auf dem Transportweg allein in Europa. Geklaut wird alles, und niemand weiß genau, wie viel es tatsächlich ist. Mit geballter Technik und viel Information versuchen Hersteller, Empfänger, Transporteure, Polizei und Versicherungen der Lage Herr zu werden.
Ziel der Diebe sind meistens hochpreisige, leicht weiter verkaufbare Waren. Mussten früher geklaute Güter mühsam über Trödel, Schwarzmarkt und Hehler verhökert werden, ermöglicht das Internet heute problemlos den Absatz größerer Mengen der gleichen Produkte. Eine relativ neue Variante ist der Diebstahl von Metallen. Kupfer und Nickel werden ladungsweise gestohlen und über Schrotthändler oder Recyclingfirmen verkauft.
Meist geht der tatsächliche Verlust deutlich über den Warenwert hinaus: Fachleute schätzen, dass die echten Kosten etwa das Fünffache des Warenwerts ausmachen. Die Güter müssen erneut produziert und transportiert werden. Bisweilen sind Termine, die einen erhöhten Absatz versprachen, nicht einzuhalten, und die Waren später weniger wert oder gar nutzlos. Und nicht alles ist versicherbar.
Viel Phantasie
Längst begnügen sich die Diebe nicht mehr mit Diebstahl en detail, sondern schlagen en gros zu. Ganze Lkw werden geklaut oder mitsamt den Fahrern „gehijacked“. In sechzig Prozent der EU-weit erfassten Überfälle auf Gütertransporte sind Europol zufolge komplette Fahrzeuge samt Ladung geraubt worden. Eine besonders perfide Masche ist die Scheingründung eines Transportunternehmens, das sich an Ausschreibungen beteiligt, um dann die Ware verschwinden zu lassen.
Oder: Verbrecher in Zoll- oder Polizei-Uniform stoppen Trucks und kapern das gesamte Fahrzeug. Vorgetäuschte Unfälle bringen Lkw zum Stehen und werden oft mit Waffengewalt von den Piraten übernommen. Selbst aus fahrenden Wagen werden Waren entwendet. Auch das in England beliebte „around-the-corner-game" ist ziemlich pfiffig: Hier wird ein ankommender Lkw geschickt um die Ecke zu einem falschen Abladeterminal dirigiert und oft noch mit Hilfe des getäuschten Fahrers abgeladen. Anschließend ist alles weg. Meist sind die Verbrecher bestens über den Inhalt der Transporte informiert: Etwa 70 Prozent der Diebstähle basieren auf Informationen aus der Transportkette.
Antworten
In sechzig Prozent der EU-weit erfassten Überfälle auf Gütertransporte sind Europol zufolge komplette Fahrzeuge samt Ladung geraubt worden.
Doch die Branche will sich nicht tatenlos vorführen lassen. Unter dem Motto „Tracking and Tracing“ (Verfolgen und Überwachen) macht sie mobil und entwickelt Sicherheitsverfahren und -techniken, die es der organisierten Kriminalität schwer machen sollen, sich an fremden Ladungen zu bereichern.
Vereinigungen wie TAPA (Transported Asset Protection Association), International Road Transport Union (IRU) und Eurowatch, aber auch Zoll, Polizeidienststellen und Versicherungen arbeiten zusammen und werden immer erfolgreicher. So ist TAPA beispielsweise ein Zusammenschluss von internationalen Herstellern, Logistikdienstleistern, Frachtunternehmen, Strafverfolgungsbehörden und anderen Beteiligten mit dem Ziel, die Verluste in der internationalen Lieferkette zu reduzieren. Thorsten Neumann, Chairman TAPA EMEA, konstatiert: „Wir werden die grenzüberschreitende Kriminalität nur bekämpfen, wenn Hersteller und Logistikunternehmen sowie alle Beteiligten am Transport proaktiv zusammenarbeiten.“
Gefährdungs-Landkarten
Im Incident Information Service (IIS) listet TAPA alljährlich die dolosen Vorkommnisse des Transportgewerbes auf. Landkarten informieren über die besonders gefährdeten Straßen, Flughäfen und Häfen. Neue Tricks werden erläutert, analysiert und wirkungsvolle Abwehrmaßnahmen empfohlen. Denn „für Kriminelle ist es wesentlich lukrativer (und sicherer), einen Lkw zu rauben als eine Bank zu überfallen“, sagt Neumann. Außerdem seien die Strafen erträglich, weil es sich meist nur um Diebstahl handele.
Sicherheitsunternehmen nehmen Transporteuren die Sorge für die Sicherheit der Fracht ab. Mit modernstem Equipment und einem fein gesponnenem Netz an Partnern können sie geraubte Ware oft wieder aufspüren und schicken bei besonders wertvoller Fracht auch Begleitschutz mit.
Sicherheitstechnik
Um teure Produkte sicher vom Hersteller zum Kunden zu transportieren, bedarf es einer durchgängigen Sicherheitskette. Der Frachtführer muss jederzeit wissen, wo sich sein Fahrzeug befindet. Um die erforderliche lückenlose Kontrolle der Fracht vom Hersteller bis zum (rechtmäßigen) Empfänger sicherzustellen, hat sich Satellitenortungstechnik (GPS/GSM) bewährt. Der am Fahrzeug und/oder Auflieger/Container unsichtbar angebrachte Sender informiert die Zentrale in bestimmten Abständen über den Standort. Verlässt der Fahrer die vorgegeben Route, wird ein Alarm ausgelöst. Die Geräte informieren darüber hinaus, wenn die Tür zum Frachtraum geöffnet oder ein Auflieger abgekoppelt wird.
Diebstahlwarnanlagen, Wegfahrsperren, abschließbare Deichsel- und Kupplungssicherungen sollten zur Minimalausstattung der LKW gehören. Hartschalenfahrzeuge machen den raschen Zugriff durch Aufschlitzen der Plane unmöglich. Die Fahrer müssen sich mit ihrer persönlichen Karte einloggen, mit Kameras kann in die Kabine oder den Frachtraum geblickt werden, Sprechverbindung inklusive. Wird der Lkw dennoch gestohlen, dann kann von Ferne der Benzinhahn abgedreht und so das Fahrzeug zum Stillstand gebracht werden.
Auch aus fahrenden Wagen werden Waren entwendet.
Sind die einzelnen Paletten mit RFID und Barcode ausgestattet, ist die Kontrolle durch rasches und genaues Auslesen an Orten, wo die Ware gelagert oder umgeladen wird, möglich. Lagerhallen und Frachthöfe sind die neuralgischsten Punkte der Supply Chain. Mit der Zunahme der Frachtdiebstähle muss hier eine zuverlässige Sicherheitsstruktur implementiert werden.
IP-Netzwerke mit Wärmebild- und Videokameras, die durch Bewegungsmelder auslösen, haben sich bewährt. Ein vernünftiger Perimeterschutz durch stabile Zäune (mindestens 2,5 Meter hoch) und Stacheldrahtkrone sollte das Eindringen ins Gelände deutlich erschweren. Eine sorgfältig geplante Zutrittskontrolle, die Personen und Zutrittszeiten exakt dokumentiert und wirkungsvolle Ausfahrtsbarrieren erschweren den Diebstahl vom Lagerhof.
Sicheres Verhalten
Wer sich aufwändige Sicherheitstechnik nicht leisten kann, sollte sein Personal sorgfältig schulen. Selbstverständlich dürfen die Fahrzeuge auch bei noch so kurzem Verlassen nie unabgeschlossen stehen. Die Fahrer müssen über bewachte Parkplätze informiert sein und die Wagen dort nur im besten Licht abstellen. Bei der Routenplanung sind die Strecken mit höheren Diebstahlszahlen, die von TAPA zur Verfügung gestellt werden können, zu meiden (ein paar Kilometer Umweg sind billiger). Spediteure sollten sich untereinander absprechen, um im Konvoi zu fahren. Anhalter sind grundsätzlich nicht mitzunehmen und mit Fremden ist nicht über die Ladung, die Fahrtroute und das Ziel zu sprechen. Eine zu frühe Anlieferung der Ware ist zu vermeiden.
Jede Änderung des Zieles, der Strecke und Ankunftszeiten muss zwingend durch Rückfragen der Fahrer in der Zentrale und beim Kunden verifiziert werden. Bei grenzüberschreitendem Verkehr müssen die Fahrer die Telefonnummern von verlässlichen Anlaufstellen kennen. Eine genaue Überprüfung von neu eingestellten Mitarbeitern (zum Beispiel über Polizeiliches Führungszeugnis, Schufa) sollten ebenso zum Standardprocedere gehören wie Referenzen. Gutes Betriebsklima und anständige Bezahlung machen Mitarbeiterdelikte seltener.
Gefährliche Parkplätze
Eine Studie der International Road Transport Union stellte fest, dass zweiundvierzig Prozent der Diebstähle von LKW-Ladungen auf Parkplätzen stattfinden, folglich richtet TAPA ein besonderes Augenmerk bei der Bekämpfung der Frachtdiebstähle hierauf. Sie fordert die vermehrte Einrichtung bewachter Parkplätze. Der Gesamtverband des Verkehrsgewerbes Niedersachsen fordert beispielsweise bundesweit 30.000 neue bewachte und beleuchtete LKW-Parkplätze (rund siebzig Prozent der Überfälle, bei denen oft der gesamte LKW entwendet wird, geschehen in der Nacht zwischen 22:00 und 6:00 Uhr).
Schlussendlich zahlt dann aber doch der Bürger, denn die Verluste werden in die Waren eingepreist, und weil es der Kunde nicht nachvollziehen kann, bezahlt er auch.
Quelle: www.sicherheit.info , Fachartikel aus PROTECTOR 6/2010, S. 12 bis 13 |
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