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Verfasst am: 13.05.2009, 20:51 Titel: Ladendiebstahl plagt Thüringer Einzelhändler |
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Ich habe heute in der Thüringer Allgemeine auf Seite 3 einen interessanten Artikel gelesen den ich hier gern veröffentlichen möchte :
Ladendiebstahl plagt die Thüringer Einzelhändler mehr denn je. Aber es nicht mehr nur das Stehlen einer Zahnbürste oder eines Lutschers. Es sin Raubzüge, teils mit Waffe und brutal ausgeführt, zu denen es immer häufiger kommt.
Von Kai MUDRA:
Thüringen.
Sie warten nicht mehr bis Ladenschluss. Sie verzichten auf Sturmhauben, um Ihre Gesichter unkenntlich zu machen. Sie kommen am helllichten Tag ins Geschäft, bedrohen Verkäuferinnen mit Waffen wie Messer oder Pistolen und fordern Waren und Bargel.
,,Bei so einem Überfall ist das Überraschungsmoment viel größer. Männer mit Strumpfmasken, die in den Laden stürmen, fallen eher auf“, sagt Sonja Götzloff. Sie gibt für den Verband der Kaufleute in Thüringen Seminare zum Verhindern von Diebstählen, kennt die Maschen der Täter und weiß um die Gefahren. ,,Das überrumpelte Verkaufspersonalkann sich oft an nichts Auffälliges erinnern“, fügt Sie an. Die Attacken kämen so überraschend, dass den Beamten manchmal weniger Markantes erzählt werde, als bei vermummten Räubern. Der Trend zu solchen Überfällen bereite Händlern zunehmend Sorgen, sagt die Expertin. Das Thüringer Landeskriminalamt (LKA) relativiert ein wenig. Im Vorjahr habe es 70 Raubstraftaten auf Einzelhändlergeschäfte gegeben, bestätigt LKA-Sprecher Uwe Geisler. Davor waren es 62 und 87 Fälle. Statistisch ist das etwas mehr als ein brutaler Raub pro Woche. Bisher ließen sich keine regionalen Schwerpunkte erkennen, fügt der Kriminalist an.
Das ist im Nachbarland anders. Eine diesen März gebildete SOKO „Schlecker“ im sächsischen Landeskriminalamt ermittelt inzwischen in mehr als 50 Fällen. Fast immer war dieselbe Supermarktkette Ziel der Räuber. Auf das Konto der verdächtigen Bande soll knapp die Hälfte aller Überfälle auf Einzelhandelsfilialen in Sachsen seit dem Vorjahr gehen. Trotz intensiver Ermittlungen gelang es bisher aber nicht, die verdächtigen zu schnappen.
Doch nicht immer sind es organisierte Gruppierungen, die den Händlern zu schaffen machen. Auch schwer Drogenabhängige gehören zu den Räubern. So ermittelte die Polizei in Jena gegen ein Pärchen, dass pro Monat geschätzte 4000 Euro allein zum Finanzieren ihrer Sucht auftreiben musste. Beschaffungskriminalität heißen die Straftaten im Polizeijargon. Die beiden im Fall aus Jena mussten im Durchschnitt pro Tag für mehr als 100 Euro Waren erbeuten, um diese dann über Dealer wieder gegen Rauschgift eintauschen zu können. Solche Fälle sind noch immer die Ausnahme, besagt jedenfalls die Kriminalstatistik. Waren von 2004 bis 2006 maximal 33 solcher Straftaten erfasst worden, schnellte die Zahl in den vergangenen beiden Jahren auf 77 und zuletzt 61 Fälle nach oben. Die Zahl der Täter schwankte im gesamten Zeitraum zwischen16 und 21, wobei nur knapp die Hälfte der Beschaffungsstraftaten auch aufgeklärt werden konnten. Gewöhnlicher Ladendiebstahl dagegen soll nach derselben Statistik deutlich weniger geworden sein: Im Vorjahr gab es in Thüringen etwa 10200 solcher Straftaten. Fünf Jahre zuvor waren es noch 16300. „Viele Händler erstatten gar keine Anzeige“, meint Sonja Götzloff: „Sie erteilen Hausverbot und scheuen den bürokratischen Akt, auch weil die Verfahren bei kleineren Delikten oft eingestellt werden.“ Das führe dazu, dass viele Ladendiebe weiter als unbescholtene Bürger, herumlaufen und glauben, ihnen nichts passieren. „Eine gefährliche Erfahrung“ sagt sie.
Nach Schätzungen des Handels werden nur etwa fünf Prozent aller Diebstähle entdeckt. Der so insgesamt entstandene Schaden soll deutschlandweit in die Milliarden gehen. „Genaue Zahlen gibt es nicht“, sagt Götzloff. Dafür hätten aber handelsinterne Untersuchungen offenbart, dass Kunden und Räuber nur knapp 44 Prozent der Diebstähle begehen, erklärt sie. Mitarbeiter sollen mit etwas mehr als einem Viertel an diesen Straftaten beteiligt sein, und zehn Prozent der als geklaut registrierten Ware verschwinde bereits beim Lieferanten. Zu dem verbleibenden Fünftel fehlender Waren gibt es keine genauen Zahlen.
Aus Sich von Sonja Götzloff können Händler der Entwicklung sehr viel für die Sicherheit ihrer Geschäfte tun. „Wenn ich eine Verkäuferin gähnend im Laden stehen sehe, dann weiß ich, die Chancen, etwas unbeobachtet mitgehen zu lassen, stehen gut“, erzählt sie. Aber auch ausreichend Personal im Verkaufsraum sei wichtig und natürlich die Möglichkeit, schnell die Polizei zu rufen. Bis vor kurzem habe es noch Discount-Ketten gegeben, die selbst am Telefon gespart hatten, so dass bei Gefahr die Verkäuferinnen mit dem Handy oder vom Nachbargeschäft aus Hilfe rufen mussten. Weil in Altenburg eine engagierte Verkäuferin einem Räuber hinterhergelaufen war und um Hilfe geschrien hatte, konnte die Polizei den 19-Jährigen kurz darauf erwischen, der einem Fußgänger aufgefallen war. Zuvor hatte der Räuber in dem Zeitungsladen mit einem Messer gedroht und die Tageseinnahmen gefordert, nach der Rangelei mit der Verkäuferin musste er allerdings ohne Beute flüchten.
Das war sehr mutig, sagt Sonja Götzloff, In ihren Seminaren rät sie wegen der Gefahr vom offenen Widerstand ab: „Wichtig ist, sich Details zu merken und schnell die Polizei zu rufen.“ |
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